(GEWINNSPIEL) Bloggeraktion Terri Blackstock

Meine Lieben,
wie versprochen bekommt auch ihr hier mein Zusatzkapitel & das dazuehörige Rätsel!
Viel Spaß beim raten ;)
Du willst wissen worum es geht? Dann schau doch mal HIER rein.

Bloggeraktion Tag 6: MadamBluub

„Guten Morgen“, sage ich betont fröhlich, als ich durch die Vordertür das Café betrete.
„Ich komme!“, höre ich Mrs Greenspan mit belegter Stimme rufen. Ohne ihren Mann erscheint sie im Verkaufsraum und scheitert kläglich bei dem Versuch, mich anzulächeln.
„Alles in Ordnung?“ Ich habe beschlossen, erst einmal so zu tun, als wüsste ich nichts. Was hätte ich auch sagen können? Ich weiß, dass Ihr Mann die Bank ausgeraubt hat und Ihre Tochter als Pseudogeisel missbraucht hat? Wohl kaum.
„Ja, ist einfach nicht unser Tag.“, erwidert sie hastig und versucht, so normal wie möglich zu erscheinen.
„Sind Sie sich da ganz sicher? Kann ich etwas für Sie tun?“
„Alles gut. Ich bin nur etwas durch den Wind.“
„Kein Wunder. Die halbe Stadt ist in Aufruhr, weil angeblich die Bank ausgeraubt wurde. Auf dem Weg zur Arbeit habe ich es selbst gesehen. Erst gab es einen lauten Knall und dann strömte aus jedem Fenster der Bank dichter, weißer Rauch.“ Vielleicht funktioniert ja eine andere Taktik, um Mrs Greenspan aus der Reserve zu locken.
„Nein, wirklich? Das habe ich noch überhaupt nicht mitbekommen. Ich war heute schon sehr früh im Café.“ Mrs Greenspan versucht, überrascht und erschrocken zu klingen, aber sonderlich gut gelingt es ihr nicht.
„Ja, stellen Sie sich das einmal vor. Man sagt, der Dieb habe ein kleines Mädchen als Geisel genommen. Wie schrecklich! Ich hoffe, Ihre Tochter ist in Sicherheit“, versuche ich es weiter, auch wenn ich mir inzwischen richtig gemein vorkomme, sie so zu drängen.
„Mein Mann war gerade bei ihr. Keine Sorge, Lou geht es gut.“ Mrs Greenspan versucht, sich so gut es geht zusammenzureißen und normal zu klingen. Aber ich merke, dass sie kurz davor ist zusammenzubrechen.
„Das freut mich. Aber kommen Sie, setzen wir uns einen Moment in die Küche, bevor die ersten Gäste kommen“, biete ich ihr an und führe sie nach hinten. Ohne ein weiteres Wort lässt Mrs Greenspan es zu. Als wir uns an den Tisch gesetzt haben und ich uns beiden eine Tasse Kaffee gebracht habe, hängen wir beide ein paar Minuten lang unseren Gedanken nach. Ich möchte gerne ehrlich zu ihr sein, doch ich weiß nicht, wie. Weitere Minuten vergehen.
Plötzlich taucht auch Mr Greenspan in der Küche auf. Ich bin ganz überrascht, dass er sich zu uns gesellt. Er sieht fix und fertig aus. Sein Gesicht wirkt eingefallen, weist dunkle Schatten und rot geweinte Augen auf. Wortlos stehe ich auf und er setzt sich neben seine Frau. Ich bringe auch ihm eine Tasse Kaffee und setze mich wieder hin. Jeder starrt auf seine Tasse und weiß nicht, was er sagen soll. Zumindest geht es mir so.
Dylan wüsste, wie er dem Ehepaar helfen könnte. Er kennt das Gesetz besser als ich und weiß, welche Konsequenzen ein Banküberfall hat und wie man diese mildern kann. Wahrscheinlich sollte Mr Greenspan sich stellen, doch damit wäre nichts gewonnen.
„Warum brauchen sie das Geld so dringend?“ Erst als die beiden aufschauen und mich anstarren, wird mir bewusst, dass ich diese Frage laut gestellt habe.
„Wie kommen Sie darauf, dass wir Geld brauchen?“
Ich habe keine Ahnung, wie ich aus der Nummer wieder herauskomme. Am liebsten würde ich mich jetzt selbst ohrfeigen. Warum muss ich mich auch immer einmischen? Auf diese Frage kenne ich sogar die Antwort. Weil mir das Leid anderer nicht egal ist, darum. Mir fällt keine andere Möglichkeit ein, als den beiden die Wahrheit zu sagen.
„Weil ich Ihren Mann heute Morgen mit Ihrer Tochter gesehen habe.“ Nun schauen sich die beiden schweigend an. Wieder vergehen Minuten, ehe Mrs Greenspan das Wort ergreift. Ihr Mann blickt dabei wieder auf seine Kaffeetasse.
„Unser Sohn Jonathan ist schwer krank. Er muss dringend operiert werden. Doch die Krankenkasse trägt nur einen geringen Teil der Kosten. Dabei läuft uns die Zeit davon. Wenn er in den nächsten Wochen nicht operiert wird, verschlechtert sich sein Zustand immer schneller. Im besten Fall haben wir dann noch ein Jahr lang zwei Kinder. Im schlimmsten Fall ist Lou in sechs Monaten Einzelkind.“ Jetzt bin ich es, die das Ehepaar schockiert anstarrt. Jetzt verstehe ich auch den Banküberfall. Es war der letzte Verzweiflungsakt vor der endgültigen Kapitulation des Vaters.
Wie kann Gott solch ein Leid zulassen? Warum beschützt er nicht die Seinen? Familie Greenspan gehört doch zur hiesigen Gemeinde. Und wieder wünsche ich mir sehnlichst, Dylan um Rat fragen zu können. Casey, ermahne ich mich selbst, du weißt schon längst, was Dylan tun würde. Du hast einfach nur zu große Angst, dich diesen beiden Menschen zu öffnen. Trau dich, bete für die Familie.



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